Das Recht auf ein freies Leben

Von Felix Stein

Das Wörterbuch spuckt bei der Suche nach dem Wort „Tyrann“ viele Synonyme aus: Despot, Gewaltherrscher, Unterdrücker, Diktator.1 Im antiken Griechenland wurde damit ein Machthaber bezeichnet, der ohne gesetzliche Bindungen agierte und seine Machtposition dazu nutzte, seine Untergebenen zu misshandeln. Um diese Unumschränktheit der Macht und der potenziellen Gewalt zu unterbinden, hatten die Römer ein Amt eingerichtet, das zwar nicht durch gesetzliche Kontrollen in der Amtsausführung eingeschränkt war, aber auf sechs Monate befristet wurde, die sogenannte „Diktatur“. 

Der Diktator wurde in Krisenzeiten ernannt und sollte innere oder äußere Gefahren abwehren und Probleme lösen. Der berühmteste Politiker, der dieses Amt bekleidete und wegen dessen Missbrauchs einem Attentat zum Opfer fiel, war Gaius Julius Cäsar. Er fiel in den Iden des März 44 v. Chr. im Senat einem Mordkomplott zum Opfer, an dem sich u. a. sein Adoptivsohn Brutus beteiligte. Heute versteht man unter dem Diktator einen gewaltsamen Despoten.

Beispiele tyrannischer Herrscher gibt es unzählige in der Geschichte. Es sind nicht immer blaublütige Herrscher, die in eine „gottgewollte“ Ordnung hineingeboren werden und etwaige Ungerechtigkeiten weiterführen. Oft sind es auch Politiker, die, wie im Falle von Hitler, Stalin oder Mussolini, einmal an die Macht gelangt, den Staatsapparat allmählich in eine repressive Despotie umformen. Es gibt aber auch viele Militärs, die sich an die Macht putschen, wie z. B. der schon genannte Cäsar oder im 20. Jahrhundert Franco und Tito. Allen ist gemein, dass sie die Macht, die sie erlangt haben, nicht wieder abgeben wollen, ihre eigenen Interessen verfolgen und dabei das Land und das Volk massakrieren. Damit einher geht eine Art der Stilisierung und Huldigung ihrer Person, die in einem Kult mündet. In der Antike wurde der Herrscher nicht selten mit göttlichen Attributen versehen. Ihm wurden übernatürliche Kräfte zugesprochen und sein Aufstieg zur schicksalhaften Vorsehung verklärt, wie z. B. im Fall von Alexander dem Großen.2

Was viele dieser Herrscher eint, ist der „Cäsarenwahn“. Dieser ist charakterisiert durch Wahnvorstellungen und Paranoia, fehlenden Realitätsbezug, psychotische Geisteszustände mit Verfolgungs- und Größenwahn und städtebaulichen Gigantismus, der dem Zweck der Propaganda dient. Der römische Kaiser Caligula gilt als „Prototyp“ des am Cäsarenwahn krankenden Herrschers. Er wurde 37. n. Chr. Kaiser. Am Anfang war er ein beliebter Herrscher. Er verstand es, dem römischen Volk zu dienen, es zufriedenzustellen und seine Bedürfnisse zu respektieren. Am Ende jedoch war er ein grausamer Despot voller Selbstgefälligkeit, Arroganz und Verschwendungssucht.

Widerstand oder Flucht?

Doch was machen Menschen, die unter einer Tyrannei leben? Im Grund bleiben nur wenige Möglichkeiten: 1. Anpassung/Erleiden; 2. Aufbegehren/Ungehorsam; 3. Flucht/Exil.

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