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Medizin anker

Veröffentlicht am Mai 29th, 2014 | von diefontaene

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Der Ankereffekt: Wie unser Vorwissen unsere Wahrnehmung beeinflusst

Bewertungen und Urteile spielen im gesellschaftlichen Miteinander eine wichtige Rolle. In der Regel bemühen wir uns, bestimmte Dinge, Situationen und Menschen angemessen und fair zu beurteilen. Umgekehrt hoffen wir darauf, dass sich unsere Mitmenschen auch kein falsches Bild von uns machen Nur: Was können wir tun, wenn im menschlichen Geist psycho-soziale Hintergrundprozesse ablaufen, die unsere Bewertungen beeinflussen und uns Vorurteile einflößen, ohne dass wir uns dessen bewusst wären? Was, wenn diese Prozesse selbst wohlmeinende Menschen zu Fehlurteilen verleiten und schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen? Veranschaulichen wir zunächst einmal, was wir meinen: Was sind das für Prozesse, und wie können wir uns gegen sie wehren?

In einer von den Sozialpsychologen Tversky und Kahneman durchgeführten Studie wurden Probanden dazu aufgefordert zu schätzen, wie viel Prozent der afrikanischen Staaten Mitglied der UNO sind. Es wurden zwei Gruppen gebildet. Die einen sollten angeben, ob der Anteil der Mitgliedsländer über oder unter 45 Prozent liegt, und die anderen, ob er über oder unter 65 Prozent liegt. Anschließend wurden die Probanden beider Gruppen gebeten, den Prozentsatz genau zu beziffern. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Gruppe, der der untere Schwellenwert (45 Prozent) vorgegeben worden war, im Durchschnitt einen niedrigeren Wert ansetzte als die Gruppe mit dem oberen Schwellenwert. Auch in mehreren anderen Experimenten zum Thema Schätzung stieß man immer wieder auf dieses Muster.

Nun mag es ja nicht weiter der Rede wert sein, wenn man sich bei einer Schätzung wie dieser irritieren lässt. Aber wie verhält es sich mit Urteilen, die sich massiv auf das Leben von Menschen auswirken? Nehmen wir nur einmal das Strafmaß in Gerichtsverfahren. Der Sozialpsychologe Mussweiler und seine Kollegen baten Strafrichter mit mehr als 15 Jahren Berufserfahrung, die am Ende eines Prozesses ein Urteil sprechen mussten, sich zuvor die Forderungen von zwei Nichtexperten anzuhören. Der eine dieser beiden Nichtexperten plädierte für 34 Monate Haft, der andere für 12 Monate. Trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung und trotz der Tatsache, dass es sich doch hier um ein und dasselbe Verbrechen handelte, ließen sich die Strafrichter von den Forderungen beeinflussen. Diejenigen Richter, die vor ihrer Entscheidung mit der Forderung nach 34 Monaten Haft konfrontiert worden waren, verhängten im Durchschnitt eine… Weiterlesen

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