Plastikverschmutzung

Als die Mitarbeiter des indonesischen Wakatobi Nationalparks im November 2018 von Einheimischen über die Strandung eines Pottwals an der Küste informiert wurden, rechneten sie sicherlich nicht mit dem, was sie in seinem Bauch vorfinden würden: 115 Plastikbecher, 25 Plastiktüten, 2 Flip-Flops – insgesamt 6 Kilo Plastik.

Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wo wir auch hinsehen, wir sind umgeben davon: der schnelle Kaffee für unterwegs, Plastikflaschenwasser oder diverse Verpackungen und Plastiktüten im Supermarkt. Von der Autokarosserie über Spielzeug bis hin zu Kügelchen in Zahnpasta und Duschgels treffen wir jeden Tag auf Plastikteile in allen erdenklichen Formen und Größen. Plastik ist vielfältig einsetzbar: es kann biegsam wie Gummi oder hart wie Glas sein, in jede Form gebracht, bunt eingefärbt, ja sogar mit Geruch versehen werden. Die günstigen Herstellungskosten machen Plastik extrem beliebt.

Seit seiner Erfindung wurden über 8,3 Mrd. Tonnen Plastik produziert. Dies entspricht dem Gewicht von ca. einer Mrd. Elefanten. Seit dem Jahr 2000 wurde mehr Plastik produziert als in den ganzen Jahren zuvor zusammen. Laut Prognosen könnte die hergestellte Plastikmenge bis 2030 um 40 Prozent steigen. Das meiste produzierte Plastik ist Einwegplastik. 75 Prozent der Plastikprodukte werden nach einmaligem Gebrauch entsorgt. Hierzu zählen bspw. Einwegflaschen, Plastikbesteck, Plastikbecher, Strohhalme und Wattestäbchen. Erschreckend ist die niedrige weltweite Wiederverwertungsrate des gebrauchten Plastiks von nur neun Prozent. Dies liegt daran, dass es viele Verpackungen aus Mischstoffen gibt, die sich nach dem Gebrauch nicht mehr in einzelne Bestandteile trennen lassen. Zwölf Prozent des bisher produzierten Plastiks wurden verbrannt, wobei wiederum giftige Gase entstehen, 79 Prozent landeten auf Müllhalden. Zudem bleibt der Müll nicht in den Ländern, in denen er entsteht. Europa exportiert den Großteil seines Mülls nach Südostasien. Seit China 2018 einen Annahmestopp bekanntgab, wird der Müll nach Malaysia exportiert. Abgesehen davon, dass die Müllhalden Naturparadiese zerstören, entsteht durch den Transport noch zusätzlich CO2. Die Zersetzungszeit einer PET-Flasche liegt laut wissenschaftlichen Berechnungen bei ca. 450 Jahren. Wie wird die Welt in dreißig Jahren aussehen, wenn wir immer mehr Plastik produzieren, aber keine ausreichenden Abfallentsorgungs– und Recyclingmöglichkeiten haben?

Kreislauf des Plastiks

Die Meeresverschmutzung durch Plastik ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Wind trägt den Müll von offenen Müllhalden in Gewässer und achtlos weggeworfenes Plastik landet in Kanälen und Flüssen, wird so ins Meer gespült und verteilt sich durch Meeresströmungen bis in die entlegensten Randgebiete der Erde. Pro Jahr gelangen bis zu 13 Mio. Tonnen Plastik in die Weltmeere. Dies entspricht der Menge von einer LKW-Ladung pro Minute.

Eine vom Weltraum aus sichtbare ökologische Folge ist die stetig wachsende Ansammlung von Milliarden Plastikteilchen, der Great Pazific Garbage Patch, ein riesiger Müllteppich im Pazifik. Deutschland passt in den 1,6 Mrd. großen Müllkoloss inzwischen vier Mal hinein. Nur 1 Prozent des sichtbaren Plastiks befindet sich an der Wasseroberfläche. Der weitaus größere Teil des im Meer treibenden Plastiks ist für unsere Augen nicht sichtbar. Sogar in der Tiefsee und der Arktis treiben riesige Plastikmengen. Meeresforscher finden Mikro – und Nanoplastik in nahezu allen Meereslebewesen.

Als Mikroplastik werden Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter 5 mm bezeichnet. Primäres Mikroplastik löst sich z. B. beim Waschen aus Synthetikfasern oder ist in Duschgels, Zahnpasta oder Peelings enthalten und gelangt über das Wasser ins Meer. Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zerfall von Makroplastik. Als Makroplastik werden alle Plastikteile mit einem Durchmesser von über 5 mm bezeichnet.

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