Werte, denen größte Sorgfalt entgegengebracht werden muss
Hikmet Işık
Nicht nur die Angehörigen anderer Religionen, sondern die Muslime selbst verfügen größtenteils über kein fundiertes Wissen über die Wesenheit Gottes. Der Ehrwürdige Wahre wird mit äußerst verzerrten und unvollständigen Vorstellungen betrachtet. In verschiedenen Kreisen werden über die Persönlichkeit, das Prophetentum, die Ehen, die Auswanderung und weitere Handlungen unseres Propheten derart ungeheuerliche Behauptungen und Verleumdungen aufgestellt, dass wir uns schämen, sie überhaupt zu erwähnen.
Die Verschmelzung von Sorge und Tatkraft
Die Befreiung der Menschheit von derartigen Fehlvorstellungen, die Korrektur falscher Gedanken über Gottheit und Prophetentum sowie die wahrheitsgetreue Darstellung der religiösen Wahrheiten sind die Verantwortungen der heutigen Muslime.
Wenn auch sie nicht von ihrem Herrn und ihrem Propheten, an die sie glauben, künden, wer sonst sollte es dann tun!
Sich über abwegige und falsche Ideen zu betrüben, angesichts des Sturzes der Menschen in das Höllenfeuer Wehmut zu empfinden, über den zerrütteten Zustand der Muslime zu klagen oder heroische Lobreden über den Islam zu verfassen, ist keine Lösung.
Entscheidend sind das unermüdliche Streben und das Tätigwerden.
Die Sorge angesichts der Unwissenheit der Menschheit, ihrer Distanz zur Religion und ihrer Unkenntnis gegenüber ihrem Herrn darf nicht bei einem bloßen Seufzer bleiben. Gewiss kann die Bedeutung einer solchen Sorge nicht geleugnet werden. Ein Mensch, der sich angesichts der Nöte der Menschheit vor Kummer krümmt, keinen Schlaf mehr findet und wie von Sinnen umherirrt – dieser Zustand verdient tiefste Anerkennung. Dies zeigt sein tiefes Mitgefühl, sein Einfühlungsvermögen und seine Feinfühligkeit. Doch entscheidend ist, dass diese innere Begeisterung in Taten umschlägt. Statt hier und dort umherzuirren, sollte man unter die Menschen gehen und sich unablässig bemühen, einerseits ein gutes Beispiel im Namen des Islams darzustellen und andererseits als aufrichtige Stimme und Atem ihre Herzen zu erreichen.
Ja, man darf nicht untätig bleiben, sondern sollte unbedingt seine Gefühle und Gedanken in Handlungen umsetzen. Jeder sollte das, was er besitzt, und die ihm gegebenen Möglichkeiten auf dem Weg des Eigentümers des Seins einsetzen. Für Autoren sollte die Feder kein Werkzeug der Selbstdarstellung durch prunkvolle Rhetorik sein. Ihr wahres Ziel muss es sein, den Schöpfer aller Welten zu bezeugen und die Menschen zu Ihm zu führen. Wer mit der Gabe der Dichtkunst gesegnet ist, sollte sich nicht in bedeutungslosen Wortspielereien verlieren; vielmehr sollte er bestrebt sein, in den Herzen eine Begeisterung für die Werte zu entfachen, an die er glaubt.
Man sollte nicht nach dem Motto „Kunst um der Kunst willen“ handeln, sondern in allen Formen von Prosa und Poesie zur Stimme der Wahrheit werden. Ganz gleich, ob es sich bei dem Werk um eine Erzählung, einen Roman oder ein Drehbuch handelt: Der Autor muss stets ein erhabenes Ziel verfolgen, das er zu erreichen sucht. Kein Bereich, der für die Menschen von Bedeutung ist, darf unbesetzt bleiben. Vielmehr sollte durch die geschaffenen Werke unser gesamtes Wertesystem dargestellt werden. Wer die Gabe der Rede besitzt, mit seinen Worten; wer wissenschaftliche Beiträge zu verfassen versteht, mit seinen Abhandlungen; wer das Talent zum Erzählen hat, mit seinen Geschichten; wer die Poesie beherrscht, mit seinen Gedichten; wer eine schöne Stimme besitzt, mit seinen Melodien; wer die Kunst des Lobpreisens pflegt, mit seinen Lobgesängen; und wer die Fähigkeit zum Drehbuchschreiben hat, mit seinen Serien und Filmen. Sie alle sollten die Sündenlosigkeit, die Treue und die alles überragende Klugheit des Gesandten Gottes in all ihren Dimensionen verkünden und die Zweifel, die um ihn herum geschürt werden, aus den Köpfen beseitigen.
Eine über jeden Zweifel erhabene Person und Mission
Über jene hochverehrte Persönlichkeit darf nicht einmal der winzigste Hauch eines Zweifels in den Köpfen zurückbleiben. Denn je tiefer das Vertrauen der Menschen in den Propheten ist, desto fester halten sie an der Botschaft fest, die er der Menschheit überbracht hat. Jeder Zweifel und jedes Zögern, das in Bezug auf ihn entsteht, ruft gleichermaßen Zweifel und Zögern gegenüber der Botschaft hervor, die durch ihn der Menschheit übermittelt wurde. Den Gesandten Gottes gilt es, für die heutige Menschheit zugänglich zu machen. Der Gesandte Gottes war ein Mensch, kein Gott.
Gleichwohl war er eine von Gott erschaffene und auserkorene Persönlichkeit, um mit Gottes Erlaubnis die Wiederbelebung der Menschheit und eine weltweite, vollkommene Auferstehung zu verwirklichen.
So wie der Erzengel Israfil mit seinem Stoß ins Horn die Ursache für die Auferstehung der Toten sein wird, so ist auch der Prophet mit der Mission ausgezeichnet, die in Geist und Sinn erstorbene Menschheit sich wieder aufrichten zu lassen. Folglich darf man ihn nicht mit einem gewöhnlichen Menschen gleichsetzen, ihn nicht im Rahmen der Gewöhnlichkeit beurteilen und ihn nicht infrage stellen. Es ist eine überaus wichtige Verpflichtung, dass jene Menschen, die ihn seiner wahren Bedeutung und seinem hohen Rang entsprechend erkannt haben, dies auch anderen verkünden.
Ob mündlich, schriftlich oder visuell, müssen sämtliche zur Verfügung stehenden Mittel in dieser Hinsicht bestmöglich genutzt werden.
Um durch unsere Erzählungen und Gedichte, unsere Serien und Filme die Liebe zum Propheten und das rechte Verständnis des Prophetentums Etappe für Etappe für die Herzen der Menschheit zugänglich zu machen. Den Film „El-Risāleh“ von Mustafa Akkad beispielsweise habe ich vielleicht fünfzig Mal gesehen.
Trotz mancher Mängel und einiger logischer Lücken hat er bei jedem Anschauen eine ganz eigene Wirkung auf mich gehabt. Denn wie es in einem arabischen Sprichwort heißt: Das Sehen mit eigenen Augen ist nicht gleichzusetzen mit rein theoretischem Wissen [oder wie es im Deutschen heißt: „Einmal selbst sehen ist mehr wert als tausendmal hören“].
Mit den Möglichkeiten der Gegenwart die glorreiche Vergangenheit wiederaufleben lassen
Selbst wenn man weiß, dass es ein Film ist, kann man angesichts seiner Botschaft, seiner Reformen und der bewirkten Veränderungen die eigene Bewunderung nicht verbergen. Warum sollten wir der jungen Generation nicht die kristallklaren Betrachtungen über unseren Propheten in der Lebendigkeit von Serien und Filmen präsentieren? Warum sollten wir nicht die Möglichkeiten der heutigen Technik und Technologie ausschöpfen, um in den Menschen eine Herzensbindung zu ihm zu erwecken? Warum sollten wir in einer Welt voller verschachtelter Probleme nicht die Rezepte und Lösungsvorschläge vermitteln, die er der Menschheit gebracht hat?
Warum sollten wir des Weiteren nicht das Bewusstsein dafür stärken, dass die ehrwürdige ʿAische eine wertgeschätzte, gekrönte Mutter war? Warum sollten wir nicht die Größe von Ebu Bekr, ʿUmar, ʿUthmān und ʿAlī durch Serien und Filme aufzeigen? Sollten wir nicht die Risse und Brüche reparieren, die durch respektlose Äußerungen über die Gefährten entstanden sind?
Jeder dieser Aspekte ist eine Aufgabe für jene Menschen, die behaupten, ihnen aufrichtige Wertschätzung entgegenzubringen. Den Jüngern und Gefährten des Propheten kommt eine sehr wichtige Rolle dabei zu, dass der Islam in seiner ursprünglichen Identität zu uns gelangt ist.
Sie haben unter Einsatz ihres Lebens die Religion bewahrt, sie in alle Teile der Welt getragen und uns korrekt übermittelt. Mit ihrer äußerst sorgfältigen Vorbildhaftigkeit und ihren tiefgründigen Auslegungen haben sie das richtige Verständnis der Religion ermöglicht. Es besteht ein dringender Bedarf, der Menschheit sowohl das für sie gesandte Vorbild als auch seine edlen Gefährtinnen und Gefährten neu vorzustellen. Das Thema darf nicht lediglich als einfache Erzählung seiner Biografie oder als chronologische Wiedergabe historischer Ereignisse behandelt werden.
Vielmehr sollte man tief in jedes einzelne Ereignis eindringen und seine Anknüpfungspunkte zur Gegenwart herausarbeiten. Das Zeitalter der Glückseligkeit sollte mit einer ernsthaften Philosophie der Prophetenbiografie betrachtet werden. Anhand echter und überlieferter Ereignisse muss die umfassende, unerreichbare und unermessliche Weisheit unseres Propheten deutlich gemacht werden.
Worauf der Fokus liegen sollte
Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, vergessene, verblasste oder verfälschte Werte wieder zu korrigieren und zu verhindern, dass Zweifel an ihnen geweckt oder sie erschüttert werden.
Deshalb müssen die Anstrengungen vorrangig auf diesen Punkt konzentriert werden. Jeder sollte, wie bereits erwähnt, seine Fähigkeiten und Möglichkeiten in diese Richtung einsetzen, danach streben, in den Herzen Ehrfurcht und Liebe gegenüber Gott, unserem Propheten und dem Koran zu erwecken. Wenn wir auf das Leben des verehrten Lehrmeisters Nursi blicken, sehen wir, dass er seine Prioritäten richtig gesetzt und sich auf die wichtigsten Themen konzentriert hat. Denn er war einer der wenigen Menschen, die ihre Zeit richtig zu lesen wussten.
Er tat unter den damaligen Bedingungen das Notwendige, legte den Schwerpunkt auf die Glaubenswahrheiten und leistete mit nur ein paar aufrichtigen Gefährten bedeutende Dienste. „Das Wesentliche besteht darin, zunächst die Mängel und Probleme unseres Zeitalters korrekt zu diagnostizieren und anschließend unter Ausschöpfung aller Gelegenheiten sowie durch eine intensive geistige und intellektuelle Anstrengung entsprechende Lösungen hervorzubringen.“
Kurz gesagt: Jeder sollte die nebensächlichen Fragen beiseitelassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Andernfalls kann man die bestehenden Probleme nicht lösen und das, was man ausdrücken möchte, nicht angemessen vermitteln. Vielleicht ist genau dies der Punkt, den wir vernachlässigt und nicht ausreichend berücksichtigt haben.

