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Geschichte Von Bagdad nach Aachen

Veröffentlicht am Februar 1st, 2013 | von diefontaene

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Von Bagdad nach Aachen

Jamal und seine Zwillingsschwester Amina schauen aus dem Fenster des Zuges in die weite Landschaft. Auf der Rückfahrt aus dem Kölner Zoo, sind sie in ihren Gedanken immer noch bei den Elefanten. Als sie ihrem Wunsch nach einem eigenen Elefanten äußern, schmunzelt der Vater der beiden.Vor dem Krieg war Herr Ghasi Professor für Musik an der Universität in Bagdad. Als der Krieg begann, verließ er mit seiner Familie seine Heimat. Jamal und Amina kamen in Aachen zur Welt. Hier gehen Sie zur Schule, hier möchten sie gerne bleiben und hier können sie nach dem Abitur an eine der besten Universitäten in Europa studieren.

Sie waren aber nicht die Ersten, die die lange Reise von Bagdad nach Aachen auf sich nahmen. Es könnte wohlmöglich Abu Abbas, ein Albino-Elefant, aus dem Bagdad zur Zeit Harun al-Raschids gewesen sein. Abu Abbas war ein Geschenk des berühmten Kalifen Harun al-Raschid an Karl den Großen. Er wurde von einer Gesandtschaft nach Aachen gebracht, die Karl der Große zuvor ausgeschickt hatte um seine diplomatischen Beziehungen mit den Herrschern in der muslimischen Welt zu festigen.

Dem “Vater Europas” wollte die Beziehungen in den Orient verbessern und einen Verbündeten im Kalifen zu finden. Die Gesandtschaft, die der Franke im Jahr 797 nach Bagdad ausschickte, bestand aus drei Personen: den beiden Diplomaten Sigismund und Lantfried und dem jüdischen Kaufmann Isaac, der aufgrund seiner Weg- und Sprachkenntnisse die beiden begleiten sollte.Nach einer zweijährigen Reise erreichten sie über Jerusalem die damalige Metropole Bagdad. Sie fanden sich in der Stadt aus Tausend und einer Nacht, der damaligen Wissenschafts- und Kulturmetropole wieder.

Karl vernachlässigte es nicht, mit seiner Gesandtschaft auch einige Präsente mitzusenden. Harun al-Rashid erwiderte diese Geste und zeigte sich offen und bereitwillig für diplomatische Beziehungen.  Nach den Gesprächen gab Harun al Raschid der Gesandtschaft ein sehr seltenes Geschenk mit, einen weißen Albino-Elefanten, dem er den Namen seines Dynastiegründer, Ebu Abbas bin Saffah, gab.Die Gesandtschaft macht sich auf den Rückweg, aber Sigismund und Landfriede überlebten die lange Reise nicht.

Vielleicht wird die Stadt Aachen dieses historische Ereignis in Form eines Springbrunnens oder einer Elefantenstatue verewigen.

Als Isaac den Elefanten an den Hof des mittlerweile zum Kaiser gekrönten brachte, waren seit dem Aufbruch aus Aachen etwa fünf Jahre vergangen. Karl der Große habe sogar für die Überfahrt über das Mittelmeer ein kleines Schiff bauen lassen. Die Zeit in Europa verlief für Ebu Abbas sehr abenteuerlich. Als Zeichen seiner Macht nahm ihn der Kaiser mit auf seine Reisen. Er ließ ihn sogar in  der Schlacht gegen die Dänen während der Sachsenkriege teilhaben.

Aus den deutschen Quellen ist zu entnehmen, dass der Elefant auf besonderen Wunsch von Karls hin, aus dem Orient mitgebracht wurde. Anscheinend wusste Karl der Große, dass dieses Tier schon immer eine gewisse Faszination auf die Menschen ausübte. Den Überlieferungen zufolge soll der Albino-Elefant im Jahr 810 in der Region um Freiburg bei einer Rheinüberquerung ertrunken sein.

Vielleicht wird die Stadt Aachen dieses historische Ereignis in Form eines Springbrunnens oder einer Elefantenstatue verewigen. Amina und Jamal wären sicher nicht die Einzigen, die sich beim Anblick dieses Symbol des Dialogs freuen würden.

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