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Gesellschaft homo_oeconomicus

Veröffentlicht am Februar 3rd, 2014 | von diefontaene

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Homo oeconomicus

 

Im Jahr 1881 definierte F. Edgeworth das erste Prinzip der Wirtschaftswissenschaften, demzufolge jeder Handelnde nur von seinem Eigeninteresse gesteuert wird. Im Mittelpunkt seiner Theorie der Motivation durch Eigeninteresse steht ein hypothetischer Wirtschaftsakteur, der Homo oeconomicus. Dieser verhält sich rational und im Einklang mit logischen Prinzipien, um dadurch seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Wenn heutzutage in ökonomischen Studien Wirtschaftsmodelle erstellt werden, ist es üblich, dass der rational handelnde Akteur durch einen Homo oeconomicus oder durch ein „geldverdienendes Wesen“ bzw. einen „geldgierigen Monomanen“, wie John Kells Ingram ihn bezeichnet, repräsentiert wird. Ob sich das ökonomische menschliche Verhalten aber tatsächlich mit Hilfe eines so konstruierten Menschen entschlüsseln lässt, ist fraglich. Schließlich gibt es genügend irrationale und teil-rationale Menschen in der Gesellschaft. Abgesehen davon verhalten sich auch rationale Menschen mitunter völlig irrational (zumindest im ökonomischen Sinne).

Der Homo oeconomicus

Adam Smith, einer der Begründer des Kapitalismus, hat dem Homo oeconomicus-Modell als Grundlage für Theorien zu Konsum und Investition den Weg geebnet. In seinem berühmten Buch The Wealth of Nations betont Adam Smith die Bedeutung des Eigennutzes für das menschliche Verhalten und beschreibt ihn als Schlüsselfaktor für den Wohlstand einer Gesellschaft. Dort wird ein repräsentativer Wirtschaftsakteur konstruiert, der das ökonomische Verhalten eines typischen Mitglieds der Gesellschaft verkörpert. Von diesem Akteur wird angenommen, dass er sich systematisch rational verhält – bei allen Entscheidungen, insbesondere aber in ökonomischen Angelegenheiten. Wenn wir, vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet, Rationalität als einen Akt definieren, der darauf abzielt, mit einem Minimum an Ressourcen einen maximalen Ertrag zu generieren, dann handelt dieser hypothetische Akteur rational, wenn er seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt und um ihretwillen versucht, bestimmte Abläufe und Prozesse immer weiter zu optimieren.

Sind wir wirklich so rational?

In der Tat liegt dem Grundgedanken der Theorie vom Homo oeconomicus, dass nämlich der Homo sapiens, der weise Mensch, selbstsüchtig handelt, eine durchaus realistische Annahme zugrunde; denn der Eigennutz ist ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Natur und eine wichtige Triebfeder menschlichen Handelns. Wir wollen stets das Beste für uns, und dieser Beweggrund ist nicht mit Gier zu verwechseln; vielmehr ist er als eine innere Motivation zu verstehen, sich so zu verhalten, dass die eigenen Interessen befriedigt werden. Wahr ist aber auch, dass nicht jedes Mitglied der Gesellschaft rational ist und dass nicht alle Verhaltensweisen als im ökonomischen Sinne rational gelten dürfen.

Um herauszufinden, ob Individuen wirklich rationale Entscheidungen fällen oder nicht, haben der Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky zahlreiche Experimente zum Thema menschlicher Rationalität durchgeführt und sind dabei zu dem Schluss gelangt, dass menschliches Verhalten keineswegs so rational ist, wie die Theorie vom Homo oeconomicus uns glauben machen möchte. Ihren Ergebnissen zufolge wird die Entscheidungsfindung auch beispielsweise von der Art und Weise, wie ein Problem oder eine Entscheidung vorgestellt wird, von Vorgehensweisen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, oder von verzerrten Wahrnehmungen beeinflusst. Außerdem beobachteten die Forscher, dass nicht alle Verhaltensweisen auf eine Maximierung des Nutzens ausgelegt sind. Manchmal handeln Menschen selbstlos, bei anderen Gelegenheiten wiederum neigen sie dazu, den Status Quo zu bewahren. Ein interessantes Ergebnis ihrer Experimente ist, dass wir Verluste emotional offenbar doppelt so stark wahrnehmen und fürchten, wie wir vergleichbare Gewinne begrüßen. In einem der Experimente wurden die Probanden gefragt, ob sie sich auf ein Gewinnspiel einlassen würden, bei dem sie eine 50-Prozent Chance hätten, 150 Dollar zu gewinnen, und gleichzeitig eine 50-Prozent Chance, 100 Dollar zu verlieren.

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