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Vortrag Deutsch-Französische Freundschaft als Vorbild für internationale Beziehungen?

 

Am Samstagabend, den 23.03.2013, lud der Main-Donau Verlag zu einem Vortrag des Historikers Dr. Marc Hieronimus von der Universität zu Köln in seine Räumlichkeiten in Frankfurt am Main ein. In dem eineinhalbstündigen Vortrag wurde ein sehr interessanter Überblick über die Deutsch-Französischen Beziehungen aufgezeigt, deren historische Dimension allein aus der geographischen Nachbarschaft nicht wegdenkbar sei.

Hieronimus zeigte auf, wie heute noch die französische Mehrheitsgesellschaft eine keltische Identität bis in das 5 Jahrhundert vor Chr. konstruiert.

Es wurde sehr übersichtlich gezeigt, dass gerade die historischen Wissenschaften zwar eine Möglichkeit der Aufarbeitung von Vergangenem sind, jedoch sie entsprechend von unterschiedlichen Seiten dementsprechend verschieden interpretiert werden können.

In diesem Sinne wird der gleiche Hergang von deutscher Seite als „Völkerwanderung“ und auf französischer Seite als „L´invasion du barbares“ betitelt.

Doch wie wichtig die Historie ist, machte Dr. Hieronimus damit klar, das Ländergrenzen die in unserer Zeit als für selbstverständlich erachtet werden, Ergebnisse von Konflikten, Prozessen und Entscheidungen sind. Dies wurde an dem Beispiel von Burgund aufgezeigt, dessen territoriales Gebiet zunächst von Frankreich bis in die Niederlande reichte und sich heute auf diesem Gebiet bspw. die Schweiz, Deutschland und Frankreich befinden.

Auch das Sprache eine Nation und damit Staatsgrenzen bedeuten, gehörten nach Hieronimus noch nicht zum Trend des Mittelalters. Diese eher neuere Entwicklung ist ein Produkt des frühen 19. Jahrhunderts, in dem auf Basis von gemeinsamer Sprache künstliche geographische Grenzen bestimmt wurden um eine Nation zu bilden, denn man bedenke dass es zwischen 1806-1870 keinen Deutschen Staat im herkömmlichen Sinne gegeben hätte.

Die Deutsch-Französischen Beziehungen sind in dieser Art zunächst Feindschaften, die durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 angefeuert werden und im Versailler Friedensvertrag 1918 einen Rahmen finden. Die zunächst durch Konflikte entstandenen Beziehungen werden nach dem zweiten Weltkrieg durch den Freundschaftsvertrag im Pariser Élysée-Palast am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle unterzeichnet. Durch solch ein Abkommen sollte der Beginn zahlreicher Städtepartnerschaften und gemeinsamer Zusammenarbeit geknüpft werden, wobei dabei die Zivilgesellschaft viel stärker in die politisch-kulturellen Beziehungen eingebunden wurden. Aus diesem gemeinsamen Engagements entwickelten sich gemeinsame Projekte wie bspw. der Fernsehsender Arte (1990) oder auch die Deutsch-Französische Hochschule (1999). Solche Projekte sind nach Hieronimus Ergebnisse von jahrzehntelangen interkulturellen Annäherungen, die es weiterhin zu pflegen gilt.

Das begeisterte Publikum, stellte weitere viele Frage wie bspw. ob der Wohlstand beider Länder dafür verantwortlich sei, das die Beziehung beider Länder funktioniert und wie das französische Volk mit der Kolonialisierung Nordafrikas umgeht.

Den Abschluss markierte ein offenes Buffet, dass für die Besucherinnen und Besuchern weiterhin die Möglichkeit bot mit Dr. Hieronimus über aktuelle Entwicklungen ausreichend zu diskutieren.


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