Führen alle Wege nach Samarkand?

Die Seidenstraße ist seit jeher als Weg für den Austausch von Waren und Ideen zwischen Ostasien und Europa bekannt. Die Geschichtsschreibung erinnert oft daran, wie sehr die Seidenstraße zum Wachstum und Wohlstand Europas beigetragen hat. Aber auch die Städte in unmittelbarer Nähe zur Seidenstraße profitierten wirtschaftlich und kulturell.

Insbesondere Samarkand entwickelte sich unter der Führung von Timur-Leng im 14. Jahrhundert zu einem multiethnischen Zentrum des Handels. Dem Historiker Christopher I. Beckwith zufolge war es Timur-Leng, der Samarkand zu einer „Modellstadt“ formte.1 Hat die Stadt ihren Ruhm dem politischen Geschick Timur-Lengs zu verdanken oder lag es am Einfluss der Handelsrouten? Obgleich Timur-Lengs Reich riesig und beeindruckend war, kann man nicht bestreiten, dass die Seidenstraße eine größere Rolle bei der Gründung der Stadt Samarkand spielte, berücksichtigt man den Handel, der sich in der Stadt etabliert hatte, wie auch die Toleranz, die dort verschiedensten Kulturen und Religionen gegenüber herrschte.

Timur-Leng – scherzhaft auch „Timur der Lahme“ genannt – war ein erfolgreicher militärischer und politischer Herrscher in Samarkand. Als Kind lebte Timur in der zentralasiatischen Steppe, wo sein Stamm auf Gedeih und Verderb Witterungen und Jahreszeiten ausgeliefert war.2 Als er älter wurde, besiegte Timur andere Stämme, schloss Allianzen mit Stammesführern und zog als Missionar getarnt plündernd durch ganz Zentralasien.3 Eine der einflussreichsten Allianzen Timurs wurde mit dem Machthaber von Balch, Emir Hussein, geschlossen. Im Laufe der Zeit nahmen die Spannungen zwischen Timur und Hussein zu, und schließlich trennten sich ihre Wege.4 Trotz des Verrats und schlechter Erfahrungen schmiedete Timur erneut ein Bündnis mit Hussein, um schließlich im Jahr 1366 die Regierung der Sarbadaren in Samarkand zu stürzen.5 Während er zusammen mit Hussein in Samarkand regierte, gewann Timur viele Nachfolger. Timur galt als mutiger, intelligenter und großzügiger Herrscher; gleichwohl wusste man, dass er seinen Feinden gegenüber rücksichtslos war.6 Mit seiner Fähigkeit, in der zentralasiatischen Steppe und in ihren Städten Anhänger und Prestige zu gewinnen, konnte Timur nun endlich seinen Weg an den mongolischen Hof machen. Nach dem Tod von Dschingis Khan konnte Timur am 9. April 1370 seine Stellung als alleiniger Herrscher im Territorium der Tschagatai zementieren.7
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