Sufi-Frauen: Exotinnen oder Tragpfeiler des Sufismus?

Kaum jemand ist nicht fasziniert von dem ekstatischen Tanz der Derwische des Mewlewi-Ordens, benannt nach dem Sufi-Meister Mewlana Djelaleddin Rumi: die rechte Hand gegen den Himmel gestreckt, die Linke zum Boden – ein Symbol dafür, von Ihm zu kommen und endlich im Tode, in der Erde vereint zu werden. Die weißen Gewänder der Derwische repräsentieren das Leichentuch. So drehen sie sich im Tanz voller Hingabe, wie alle Atome im Universum. Doch welche Rolle spielen dabei die Frauen?

Spätestens seit dem Jahr 2007, in dem Rumi von der UNESCO geehrt wurde, kennt den Sufismus die halbe Welt, wenngleich es schwer ist, ihn zu definieren. Er variiert je nach Strömung, Epoche, geografischer Lage oder Sufi-Meister. Mit den Worten der Orientalistin Annemarie Schimmel:

„Wenn man ihn beschreiben will, steht man bald vor einem blühenden Garten mit duftenden Rosen und klagenden Nachtigallen, die zu Symbolen für die göttliche Schönheit und die Sehnsucht der Seele werden, bald vor einer Küste theoretischer, dem Uneingeweihten kaum verständlicher Abhandlungen in überaus kompliziertem Arabisch; dann wieder leuchten die eisigen Gipfel der höchsten theosophischen Weisheit in der Ferne auf, nur wenigen erreichbar. Der Sucher selbst verliert sich in einem bunten Markt volkstümlicher Sitten und Gebräuche, bevölkert von seltsamen Gestalten, deren Bewegungen und Worte oft von Drogen beeinflusst sind, oder aber er findet den Sufi, der das Herzensgebet übt, in der Stille einer abgelegenen Klause. Ein andermal tritt uns der Sufi als erfolgreicher Geschäftsmann entgegen, der seine Kraft für seine Arbeit aus den nächtlichen Meditationen empfängt, die ihn auf eine andere Ebene tragen …“(Schimmel, 2015:7).

Die Beschreibung Annemarie Schimmels verdeutlicht die Heterogenität des Sufismus, einer mystischen Form des Islams. Längst ist der Sufismus nicht mehr nur auf die MuslimInnen beschränkt, denn heute ordnen sich zahlreiche Andersgläubige dem Sufismus zu. Der Sufismus hat sich über die Zeit hinweg zu einer globalen und interreligiösen Praxis islamischen Ursprungs entwickelt.

Im Folgenden möchte ich mich mit der Rolle der Frauen im Sufismus auseinandersetzen. Recherchen lassen vermuten, dass der stark männlich repräsentierte Sufismus nur eine Seite sein kann. Wer aber sind dann die Sufi-Frauen, von denen man kaum liest und hört?

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