Eine weitere Sonnenfinsternis geht zu Ende

Der Mensch von heute befindet sich mehr denn je in einer Spirale von Problemen: Unheil, Katastrophen und große Unglücke, die sich wie ein Sturzregen über ihn ergießen; ganz zu schweigen von Gründen und Beweggründen, die Begierden befeuern, von mangelnder Achtung vor gesellschaftlichen und spirituellen Werten, von Begierden, die durch fehlende Ideale hervorgerufen wurden, von Gier nach Schmuck, Luxus und Pomp, von der rein auf das Diesseits ausgerichteten Lebensfreude, von Habsucht und der irrigen Vorstellung, das Leben im Diesseits sei die Ewigkeit. Jedes Mittel ist recht und den Menschen zugrunderichtenden Krankheiten wie der Machiavellismus greifen um sich und lähmen ein Leben, in dem Herz und Seele eine Rolle spielen. Damit nicht genug: schreckliche Gleichgültigkeit; Dickfelligkeit, die uns unserer Menschlichkeit schämen lässt; teuflisches Schweigen angesichts von Ungerechtigkeiten; das Lärmen der Tyrannen und Despoten; Ignoranz angesichts des Stöhnens und Klagens der Opfer und Geschädigten. Wir übertreiben nicht, wenn wir sagen, dass diese und viele weitere Unglücke und Katastrophen historisch betrachtet ihresgleichen suchen.

Trotz all dieser ineinander verschlungenen Abweichungen gehen einige Dutzend Menschen, die ihr Leben für die Belebung Anderer widmen, die mit diesem hohen Ideal aufstehen und sich niedersetzen, Menschen, die auf ihr Herz und ihre Seele hören, diesen Weg. Und trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten gehen sie diesen Weg der Wiederbelebung, voller Hingabe allen Gefahren in die Augen blickend. Beseelt von den Worten des Dichters Fuzuli:

 

„Forderte der Schöpfer mein Leben, bei meiner Seele!

Was ist das Leben, dass ich es meinem Schöpfer nicht gäbe!“

 

Und beseelt von Freude erheben sie sich hoffnungsvoll in diesem Geist, und die ganze Welt und was sie zu bieten hat, kann sie nicht aufhalten. Trotz der Härten des Weges, der Unsicherheit der Strecke oder der Unerbittlichkeit der Hindernisse und der Skrupellosigkeit verdrehter und anstößiger Überzeugungen, von Gott Geduld erbittend und ohne an Tempo zu verlieren, schreiten sie auf dem Weg der Propheten (möge Friede mit ihnen sein) voran. Mit der Reinheit und Lauterkeit der Heiligen in ihrem Herzen, der Herrlichkeit und Erhabenheit ihrer gesellschaftlichen Ideale, setzen sie sich über alle Erschwernisse auf dem Weg hinweg. In alle Himmelrichtungen sind sie voller Leidenschaft unterwegs um mit der Stimme ihrer Haltung und ihrer Repräsentanz aller Welt zu verkünden, um Gott und das, was er liebt, bekannt zu machen.

Sie haben sich auf den Weg gemacht eingedenk der Beschwernisse, die die Befolgung der göttlichen Gebote und Verbote mit sich bringen und der Gefahren auf dem Weg. Sie sind sich bewusst, dass die Strecke voller Höhen und Tiefen ist und durch unebenes Terrain führt. Aber sie waren sich sicher, mit dem Elixier der Geduld würden sie diese schwere Last tragbar machen. Der Anfang ist äußerst bitter und schwer zu verdauen, das Ergebnis überwindet den Strudel aus Sünde und Begierde mithilfe des süßen, „Geduld“ genannten Elixiers. Damit erweichen sie die Bosheit der Rechtsverkenner; aus ihrem Blickwinkel wissen sie, dass alles seine bestimmte Zeit hat. In dieser Geduld machen sie die Intrigen der Betrüger und Gauner unschädlich; im Bewusstsein, dass ihre Kraft von Gott stammt, nehmen sie den schier unendlichen Weg an. In dieser Geduld können sie über in Hass, Groll, Starrsinn und Neid verschlossene Fanatiker hinwegsehen, die einen Menschen zum Platzen bringen können und fahren auf ihrem Weg fort, indem sie „Licht“ und „Glanz“ sagen.

Die Zähne zusammenbeißend halten sie jeder negativen Lage, jedem Umstand und jeder Situation stand: Wie der Koran sagt: „O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allah ist mit den Standhaften“ (Sure El-Baqara, 2:153). Das war ihre stets überschäumende Quelle, aus der sie ihre Tasse des Herzens und der Seele immer wieder füllten und so Linderung ihres Leides erfuhren. Diese Quelle steht ausschließlich in Gottes Besitz und mit jedem Schluck aus ihr erwächst im Herzen das Wohlwollen des Erbarmers. Mit jedem Schluck kommt er dem ewigen Leben näher und jeder Tropfen den er trinkt, wird einem gleichsam zu einem Ozean.

 

Kraft schöpfen aus Gottvertrauen und Gotteserkenntnis

Trotz alledem sind sie sich ihrer Vergänglichkeit und der Begrenztheit ihrer Kräfte bewusst. Aus diesem Grund verlassen sie sich bei all ihren Unternehmungen – je nach ihrer Gotteserkenntnis – – nicht auf ihre eigene Kraft und Stärke, sondern nehmen Zuflucht zum Willen und Vorhaben des Allmächtigen. So verwandeln sie ihre Tropfen in einen Ozean und ihre Atome werden zu Sonnen. So kommt zum Leben, was nicht existierte, und aus dem Nichts erstehen unermesslich kostbare Werte. Ohnehin hängt das Wohlwollen und Offenbarwerden des Allmächtigen davon ab, dass die Reisenden auf dem Weg zu Ihm von ihrem Selbst ablassen. Folgende Worte beschreiben sehr schön, wie der Weg eines Gottesfreundes ihn aus dem Nichts zur Existenz führt:

 

„Solange mein Selbst vor der Leinwand steht, gibst Du Dich nicht zu erkennen,

Bin ich jedoch nichtexistent, erst dann wird man Dein Dasein kennen.“

 

Auch in Zeiten, in denen man von Ihm getrennt ist, in Zeiten, in denen Treue nichts mehr gilt, in denen Gefühle in ein Delirium geraten, rohe Gewalt zum Maß aller Dinge wird, es äußerst schwer ist, dem Weg der Propheten zu folgen, in schwarzen, nebelverhangenen Tagen, in denen man das Morgen kaum erahnen kann, bildeten diese ergebenen Menschen, wenn auch nur in bescheidenem Umfang, viele kleine Wasserquellen. Begeistert gaben sie unserer Hoffnung neuen Mut. Nach ihrer Verwandlung in Ozeane verdunsteten sie und wurden zu Segen spendenden Tropfen. So nehmen dürre Wüsten und von Dornen überwuchertes Dickicht die Gestalt eines Rosengartens an. In Momenten, in denen kein Licht am Horizont zu sehen ist und keine Wegweiser mehr den Weg erhellen, wurden sie mit Fackeln in der Hand zum Licht und Glanz für die in der Finsternis Weilenden. Allerorten wurden sie als Vorreiter des Lichts gefeiert – aber davon hingen ihre Anstrengungen und ihr Eifer nicht ab. Dieses Lob war vielmehr ein Ausdruck der Freundschaft, der Liebe und der Wertschätzung.

 

Quelle der Erfolge in Gottes Gnade sehen

Als reine Gottes Gnade erinnerte man sich ihrer Erfolge, die selbst den großen Welteroberern nicht vergönnt waren. Getreu des Prinzips „doppelte Verneinung ist eine Bestätigung“ blieben sie sich dennoch in ihrer Demut und Bescheidenheit treu und wurden verlegen ob der eigenen Kraftlosigkeit und Bedeutungslosigkeit. Es war der Allmächtige, der gab, und sie erlebten das Glück desjenigen, der empfängt. Sie waren sich ihrer Stellung vor Gott bewusst und achten sorgsam darauf, sich durch Hochmut, Stolz, Prahlen, Egoismus und Eigenlob dem Ehrwürdigen gegenüber nicht respektlos zu verhalten. Um ihre Treue und Aufrichtigkeit als Seine Diener zu bewahren, sehen sie in jeder Gabe und jedem Geschenk Seine Gunst, Seine Hinwendung und Seine schützende Hand. Trotz Unheil, Leid und Rückschlägen gaben sie niemals die Hoffnung auf oder zerbrachen daran. Sie fassten die Worte „Mein Name wird überall dorthin gelangen, wo die Sonne auf- und untergeht“ als unumgängliches Gebot auf, als Ideal. Wie sich aufbäumende Vollblüter galoppierten sie dem Ideal des Erreichens des höhsten Wertes [ des wahren Menschwerdens] entgegen. Obgleich ihr Unterfangen dem Zurücklegen großer Entfernungen unter der glühenden Sonne der Wüste glich, fühlten sie sich im erfrischenden Schatten ihrer Ideale, als würden sie durch einen Frühlingsregen laufen. Wie Proviant auf einer beschwerlichen Reise belebte sie ihr Ideal und hielt die metaphysische Spannung aufrecht. Gleich Turteltauben flogen sie die Flügel schlagend dem Ziel entgegen. Und Gott hat diese aufrichten Reisenden auf dem Weg zu Ihm nicht im Stich gelassen.

Tatsache ist: Es erging ihnen wie allen ihren Vorgängern. Eine Reihe intoleranter Widersacher haben versucht, auch ihnen den Weg zu versperren. Man hat allerlei erbärmliche Verleumdungskampagnen angezettelt, um sie zu diffamieren. Angetrieben von Hass und Neid wurden nicht wenige Versuche unternommen, das mit Gottes Hilfe Erreichte zu zerstören. So etwas taten noch nicht einmal die größten Verleugner der Wahrheit – in ihrem Fall jedoch wurde diese Bosheit als angebracht betrachtet und ließ die Widersacher vor Freude jubeln. Die Vorreiter des Lichts jedoch betrachteten all diese Angriffe als das Schicksal derer, die auf diesem Weg gehen und machten derartige Angriffe mit dem Elixier des Wohlgefallen Gottes unschädlich. Sie fanden alternative Wege, um ohne an Geschwindigkeit zu verlieren dem Horizont des göttlichen Wohlgefallens entgegenzugehen.

Die Zeit zieht sich zusammen, während sie laufen, und der Boden unter ihren Füßen atmet demütig. So verwandeln sich anfängliche Fontänen in Wasserfälle. Die Hoffnungen vertiefen sich angesichts des Horizonts neuer Hoffnungen. Und aus dem Nieselregen segensreicher Tropfen wird ein Regenguss. In einer Atmosphäre des Verlustes entstehen überraschende Gewinne, aus der Spirale der Finsternis beginnt man Geräusche des Lebens zu vernehmen und Lichtstrahlen lassen unerwartet die gebrochenen Herzen festlich erstrahlen.

In stiller Suche nach Weisheit besingen Herz und Sinn voll Reinheit diese Zeilen:

 

„Wenn dein Wille lebendig ist, lass ab von Gram und Harm,

So wirst du sie eines Tages hinter dir gelassen haben die Unüberwindlichen,

Einem jeden bist du zur Quelle der Hoffnung geworden,

Und jetzt bin ich still, mögest du reden…“

 

Schließlich ist Gott Helfer der Aufrichtigen!

 

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