Die Schattenseite des Wassers

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Wasser spielt für die Aufrechterhaltung der Balance zwischen Leben und Tod auf der Erde eine entscheidende Rolle. Es kann gesund machen, aber auch den Tod bringen. Wie Wasser auf die menschliche Gesundheit einwirkt, lässt sich auf der ganzen Welt beobachten, am besten aber in Afrika.

Afrika hat viele Süßwasserquellen wie den Tanganyikasee, den Victoriasee oder die Flüsse Sambesi, Nil und Juba. Theoretisch steht also genug Wasser zur Verfügung, um den Bedarf des ganzen Kontinents zu decken. Doch leider gibt es eine Reihe von Problemen, die dieses Wasser unzugänglich, ungenießbar oder sogar lebensgefährlich machen. Überall mangelt es an sauberem Trinkwasser, was den Alltag der Menschen erschwert und zur Folge hat, dass sich Krankheiten ausbreiten.

Drei Hauptprobleme: Staudämme, Abholzung und Verschmutzung

Afrikas allgegenwärtige Wasserprobleme sind in erster Linie auf drei Faktoren zurückzuführen: Staudämme, Abholzung und Verschmutzung.  Staudämme ermöglichen eine konstante Bewässerung und die Gewinnung von Energie aus Wasserkraft, haben aber auch immense Nachteile. Den riesigen Staudammprojekten fallen oft ganze Wälder zum Opfer. Außerdem zerstören die Dämme das klassische landwirtschaftliche System der Bewirtschaftung der Flussauen. Vor allem entlang des Nils und mehrerer anderer großer Flüsse wird traditionell eine Landwirtschaft betrieben, die sich die alljährlichen Überschwemmungen zunutze macht. Im Zuge dieser Überschwemmungen wird fruchtbarer Schlick auf die Anbauflächen gespült, der als natürlicher Dünger dient. Mittlerweile aber wird das Wasser vielerorts von Dämmen aufgestaut, sodass diese Mechanismen nicht mehr funktionieren.

Entwaldung und Abholzung können unterschiedliche Ursachen haben und unterschiedlichen Zwecken dienen. Aber immer gehen sie mit der Zerstörung von Lebensräumen und Artenverlust einher. Wälder regulieren das Klima und den Wasserhaushalt. Wo großflächig abgeholzt wird, verwandeln sich die Böden schnell in ausgetrocknetes Wüstenland, das insbesondere für den Menschen lebensfeindlich ist. Der Grundwasserpegel sinkt, die Niederschläge verringern sich, Waldbrände drohen.

Über 5 Millionen Menschen sterben pro Jahr an Krankheit die durch das Wasser bedingt sind.

Das dritte große Problem für Afrikas Wasserversorgung ist der hohe Verschmutzungsgrad des Wassers, bedingt durch miserable Sanitärtechniken und durch industrielle und chemische Schadstoffe. Fehlende, defekte oder veraltete sanitäre Anlagen sorgen dafür, dass menschliche und tierische Fäkalien ins Trinkwasser gelangen können und Krankheiten verursachen. Ähnliche gesundheitliche Risiken birgt die Industrialisierung und Verstädterung einiger Regionen Afrikas. Im Nairobi River Basin in Kenia zum Beispiel wurden Abwasserkonzentrationen von Elementen wie Nickel, Kupfer und Blei festgestellt, die um ein Sechzigfaches, Sechshundertfaches und Hundertzwanzigfaches über den empfohlenen Grenzwerten lagen. In der Landwirtschaft werden außerdem große Mengen von Pestiziden eingesetzt, die sich dann in Bächen und Flüssen ablagern. Sie verseuchen Böden, Wasser, Luft und Nahrung und stellen eine ernste Gefahr für die afrikanische Bevölkerung dar. Immer wieder werden in Quellen in der Nähe landwirtschaftlicher Anbauflächen giftige Pestizide wie Endosulfan (in der EU verboten) und gefährliche organische Chlorverbindungen wie DDE und DDT nachgewiesen, erst kürzlich wieder in Südafrika. Dort lag der Anteil dieser Substanzen konstant über dem europäischen Trinkwasser-Standard von 0,1 mg/L. Solche Kontaminationen vergiften nicht nur potentielle Nahrungsquellen, sondern zerstören auch Lebensräume und beeinträchtigen somit die Zukunftsfähigkeit des Kontinents. Ein Teufelskreis, der sich, wenn er einmal in Gang setzt wurde, nur schwer wieder stoppen lässt.

Alle diese Faktoren beeinflussen sowohl die Wassermenge und die Wasserqualität, als auch den Umgang der Menschen mit Wasser im Alltag. Wer mit wenig Wasser auskommen muss, neigt oft dazu, es auf eine Weise zu rationieren, die eher kontraproduktiv ist. Zum Beispiel, indem er die Körperpflege auf ein Minimum beschränkt, sich nicht mehr regelmäßig die Hände wäscht oder auf das Säubern von Kleidung, Lebensmitteln, Geschirr usw. verzichtet. Darunter leidet die Hygiene; die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, wächst. Nicht viel besser ist es, wenn zwar genügend Wasser zur Verfügung steht, dieses Wasser aber von minderwertiger Qualität ist. Auch dann wächst die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden. Insgesamt lässt die Wasserqualität in Afrika sehr zu wünschen übrig, worunter die Bevölkerung natürlich leidet.

Von den direkt durch Wasser übertragenen Krankheiten unterscheidet man die mit Wasser in Verbindung stehenden Krankheiten. Letztere werden nicht direkt durch den Konsum von verunreinigtem Wasser verursacht. Vielmehr nutzt der Krankheitsüberträger in diesen Fällen das Wasser gewissermaßen als Brutstätte. Zu den bekanntesten mit Wasser in Verbindung stehenden Krankheiten gehören Malaria, Gelbfieber, Bilharziose und Flussblindheit.

Bilharziose

Bilharziose ist eine Krankheit, die am Nil und an allen Flüssen und Binnengewässern Afrikas weit verbreitet ist. Sie wird durch Larven übertragen, die von Schnecken freigesetzt werden. Die häufigsten Erreger, die Bilharziose beim Menschen verursachen, sind Schistosoma mansoni, D. haematobium und S. japonicium. Zu einer Infektion kommt es, wenn es den in verunreinigtem Wasser treibenden Larven der Pärchenegel gelingt, einen menschlichen Wirt zu finden. Dann heften sie sich an ihn, durchbohren seine Haut und nisten sich als Parasiten in seinem Körper ein. Sie entwickeln sich in der Leber weiter und breiten sich über das Blut vor allem in den Darm und die Blase aus. Dort legen sie Eier ab, die mit Urin und Kot ausgeschieden werden. Wenn die Eier in Oberflächengewässer gespült werden, die von Schnecken bewohnt werden, schlüpfen aus den Eiern neue Larven, die in diese Schnecken eindringen, sich dort entwickeln und unglaublich stark vermehren. Schließlich verlassen die parasitären Larven die Schnecken wieder, und eine neue Runde im Vermehrungszyklus beginnt. Jobin beschreibt die Bilharziose folgendermaßen: „Bilharziose ist eine kräftezehrende Krankheit, die bei Menschen, welche von einer großen Anzahl von Würmern befallen sind, zu einem frühzeitigen Tod führen kann.“

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